Danke an den „Kleinen Lohrer“ für das Interview mit Katja Fleckenstein zum Stand unserer Gründung!

Katja, wie entstand die Idee, eine Montessori Grundschule zu gründen und wer sind die Menschen hinter der Initiative?

Der Wunsch nach einer alternativen Schule hier in der Region war schon lange da.
Bis zum Jahr 2009 lebte ich mit meiner Tochter in München. Dort habe ich mir einige Montessori Schulen angeschaut und war sehr angetan. Aus privaten Gründen sind wir dann zurück in die Heimat gezogen. Ich fand es sehr schade, dass es hier im Umkreis keine Möglichkeit für Kinder gibt, eine alternative Schule zu besuchen. Meine Tochter ist nun 17 Jahre alt und hat die Schule hinter sich gelassen.
Doch für meinen Sohn, der im September 2021 eingeschult wird und auch für die anderen Kinder in der Region, wünsche ich mir, mehr denn je, eine Ergänzung zur bestehenden Bildungslandschaft.
Ende 2017 habe ich die Regisseurin Nicole Scherg kennen gelernt. Unsere Kinder besuchen den Waldkindergarten in Frammersbach.
Im Frühjahr 2018 sind Monika Rosenkranz und ich uns zum ersten Mal begegnet. Sie ist Erzieherin und ebenfalls Mutter.
Uns dreien war ziemlich schnell klar, dass wir ähnliche Auffassungen haben, in Bezug auf die Begleitung von Kindern in Schulen.
Wir haben uns daraufhin im Herbst 2018 in regelmäßigen Abständen getroffen und uns darüber ausgetauscht was uns wichtig ist und wie wir das umsetzen können. Ich bin froh, dass wir uns gefunden haben und alle die gleiche Intention hatten. So wurde es möglich, den Mut und die Kraft aufzubringen, endlich den Schritt zur Schulgründung zu gehen.
Mittlerweile ist auch die Kunsthistorikerin und Mutter Birgit Wagner eine enge Vertraute und Verbündete in unserem Koordinationskreis.

Kannst du uns bitte euer pädagogisches Grundkonzept vorstellen?
Die Basis unserer Schule bildet die Montessori Pädagogik, die von der italienischen Ärztin Maria Montessori entwickelt wurde.
Sie beinhaltet als Grundlage die Achtung der kindlichen Persönlichkeit.
Die Kinder werden von Pädagogen nicht zu Aufgaben gedrängt, sondern entscheiden selbst, womit sie sich beschäftigen und wie sie lernen.
Die Montessori Pädagogik gibt dem Kind Zeit, sich Wissen anzueignen und hat das Vertrauen in die Selbstverantwortlichkeit des Kindes. Maria Montessori spricht von sensiblen Phasen. Das sind Zeitspannen, in denen ein Kind empfänglich für bestimmte Dinge ist und seine Fähigkeiten dadurch besser und einfacher ausbilden kann. Der Lernstoff an unserer Schule ist der gleiche wie in der Regelschule. Die Kinder haben jedoch vier Jahre Zeit, sich den Stoff in ihrem Tempo anzueignen. Eine vorbereitete Umgebung und Montessori Materialien unterstützen die Kinder in ihrem Lernprozess. Die Lehrkräfte und Lernbegleiter beobachten die Kinder genau und geben bei Bedarf Hilfestellung.
Es gibt keine vorgeschriebenen Hausaufgaben. Da die Schüler sich individuell mit Lerninhalten beschäftigen, brauchen sie am Nachmittag keine zusätzlichen Wiederholungen. Sie haben an den Vormittagen Zeit, sich intensiv mit dem Stoff auseinander zu setzen.
Es werden auch keine Noten verteilt. Die Kinder und deren Eltern erhalten schriftliche Rückmeldungen über ihren Entwicklungsstand: Wo hat das Kind Fortschritte gemacht und wo bedarf es noch Übung?
Es entsteht kein Leistungsdruck, kein Vergleichen, kein Konkurrenzverhalten.
Eine weitere Säule bildet die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B.Rosenberg.
Mit dieser Form der Kommunikation lernen die Kinder ihre Bedürfnisse sicher zu vermitteln und dadurch Konflikte zu vermeiden. Sie ist frei von wertender und verurteilender Sprache.
Die gewaltfreie Kommunikation ist eine gute Haltung und Methode für die Umsetzung unseres Alleinstellungsmerkmals „Achtsamkeit“ .
Das Alleinstellungsmerkmal gibt einen Einblick, was die Schule von anderen Schulen unterscheidet. Privatschulen benötigen solch ein Alleinstellungsmerkmal.
Achtsamkeit bedeutet für uns mit sich, den Mitmenschen und der Umwelt gegenüber bewusst, verantwortungsvoll und behutsam umzugehen.
Die Natur spielt ebenso eine große Rolle in unserem Schulalltag. So haben wir vor einen Permakultur Garten zu errichten, den Unterricht so oft es geht, draußen statt finden zu lassen, und den Kindern durch aktives Erfahren zu vermitteln, wie schützenswert sie ist.

Wie weit seid ihr mit euren Planungen?
Im Februar diesen Jahres haben wir unseren Verein gegründet und neue Arbeitskreise gebildet, die sich mit verschiedenen Inhalten auseinandersetzen. Es gibt viele unterschiedliche Themen, die parallel abgearbeitet werden: Finanzpläne entwickeln, Gebäudefragen klären, pädagogische Konzepte erarbeiten, Personal suchen, Infoabende für Eltern veranstalten usw.
Anfang März waren wir in Würzburg bei der Regierung, um unser Schulprojekt vorzustellen. Anfang November haben wir unser pädagogisches Konzept dort eingereicht.
Wir haben nun auch unsere Bleibe gefunden.
In der Lebenshilfe in Wombach mieten wir einige Räume für unser Vorhaben.
Die Umbauarbeiten sind gerade in vollem Gange.
Das Bewerbungsverfahren für Lehrkräfte und Lernbegleiter läuft bereits.
In den nächsten Wochen finden die Anmeldungen und das gegenseitige Kennenlernen zwischen den Familien und uns statt. Aufgrund der Covid-19 Pandemie in Form von Online Gesprächen.

Katja, für was begeisterst du dich in deiner Freizeit?
Aufenthalte in der Natur, gemeinsam Zeit mit meinen Kindern verbringen, lesen, Musik hören und selbst musizieren.

Was wünschst du unseren Lesern für das Jahr 2021?
Gesundheit, Zufriedenheit, schöne Momente, Zeit mit guten Freunden, Lebensfreude